Ein persönlicher Beitrag von Küchenberater Tobias Inniger:

Meine Massivholzarbeitsplatte in der Küche –
Warum ich sie liebe und was man beachten sollte
Als meine Frau und ich vor zehn Jahren unsere Küche planten, standen wir vor der typischen Frage: Welche Arbeitsplatte passt zu unserem Stil – und zu unserem Alltag?
Granit, Keramik, Edelstahl … -alles schön, aber irgendwie auch ein bisschen „kalt“.
„Wäre eine Holzarbeitsplatte möglich?“, so die Frage meiner Frau an mich…
Meine erste prompte Antwort war: «Nein, das geht nicht». Als ich dann in Ruhe darüber nachdachte, faszinierte mich der Gedanke an eine schöne lebendige Massivholzarbeitsplatte doch sehr. Als sich mir zudem die Gelegenheit bot, zwei riesige Bretter eines Eichenstamms von über einem Meter Durchmesser zu ergattern, zögerte ich nicht lange und das Projekt begann.
Mit viel Enthusiasmus schreinerte ich aus den Brettern der über 600 Jahre alten Eiche ein wunderschönes Arbeitsplatten-Unikat für unsere neue Küche.
Meine Frau und ich haben uns wahrlich in dieses Herzstück unserer Küche verliebt. In die Haptik, die Wärme und diese ganz besondere Ausstrahlung. Heute möchte ich meine Erfahrungen mit euch teilen… – was toll ist, was vielleicht weniger und warum wir sie jederzeit wieder wählen würde.



Warum Massivholz? Weil es lebt.
Die Spalten unserer Eichenplatte habe ich bewusst schwarz ausgespachtelt, anschliessend die ganze Oberfläche leicht gebürstet. So kamen der Charakter und die Holzstruktur optimal zur Geltung, ohne Abstriche in der Funktionalität. Als ich die geölte Platte auf die fertig gebaute Küche legte, war sofort klar: Sie ist der Star unserer Küche und ist es bis heute geblieben. Kein anderes Material hat so viel Ausstrahlung. Die Maserung, die Farbe, das Gefühl, wenn man mit der Hand darüber steicht … – einfach etwas ganz anderes als eine glatte, „perfekte“ Oberfläche.
Was ich besonders mag: Die Arbeitsplatte verändert sich mit der Zeit. Sie wird ein bisschen dunkler, bekommt hier und da kleine Spuren vom Alltag, aber das macht sie für mich nur schöner. Sie erzählt unsere Geschichte.
Die Sache mit der Pflege – ja, die gibt’s
Ich will ehrlich sein: Eine Massivholzarbeitsplatte braucht Pflege. Es ist kein unzerstörbares Material. Aber mit ein bisschen Aufmerksamkeit bleibt sie lange schön. Hier meine persönlichen Tipps aus dem Alltag:
– Regelmässig ölen: Am Anfang habe ich die Platte mehrmals mit einem Baumwolltuch geölt, bis alle Holzfasern komplett gesättigt waren. Anschliessend blieb die Platte mehrere Jahre in perfektem Zustand und Flüssigkeiten perlten perfekt ab. Heute öle ich die Platte nach Bedarf zirka einmal jährlich. Teilweise auch nur an stark beanspruchten Stellen. Das geht schnell und gibt dem Holz neuen Schutz und Tiefe.
– Stehendes Wasser vermeiden: Holz mag keine stehende Nässe. Für ein sorgloses Arbeiten in der Küche, empfiehlt es sich, rund um die Spüle eine wasserunempfindliche Lösung zu planen. In unserem Fall haben wir einen Edelstahleinleger mit Spülbecken flächenbündig in die Eichenplatte eingefräst. So haben wir einen wasserunempfindlichen und äusserst robusten Teil in der Arbeitsfläche.
– Schneidebrett benutzen: Klar kann man direkt auf Holz schneiden, aber die Spuren sieht man. Also lieber ein Schneidebrett nehmen und die Arbeitsfläche schonen.
– Vorsicht bei Hitze: Direkter Kontakt mit sehr heissen Pfannen oder anderen Hitzequellen kann zu Verfärbungen oder Schäden an der Oberfläche der Eichenarbeitsplatte führen. Es ist daher ratsam, stets Untersetzer zu verwenden, um die Arbeitsplatte zu schützen.
– Reinigung: Für die tägliche Pflege unserer Eichenarbeitsplatte reicht ein feuchtes Baumwolltuch aus, um die Arbeitsplatte sauber und hygienisch zu halten. Scheuermittel und aggressive Chemikalien sollten vermieden werden, da sie die Oberfläche beschädigen können. Generell sind Baumwolltücher für Holzoberflächen geeigneter als Microfaser- Produkte.
Trotz dieser Punkte empfinde ich die Pflege nicht als Belastung. Es sind kleine Handgriffe, die etwas Wertvolles erhalten. So wie wir andere schöne und wertvolle Dinge in unserem Alltag pflegen, so verdient auch das 600 Jahre alte Unikat in unserer Küche etwas Aufmerksamkeit.
Wichtig zu wissen:
Nicht jede Holzart ist gleich pflegeleicht. Wir haben uns für Eiche entschieden, weil sie hart und widerstandsfähig ist. Eine weichere Holzart wie beispielsweise Fichte wäre in unserem lebhaften Familienalltag wohl schnell ramponiert gewesen.
Welche Holzarten eignen sich besonders?
– Eiche: Sehr hart, widerstandsfähig, klassisch schön – ideal für Küchen mit hoher Beanspruchung.
– Buche: Preislich attraktiv, hell und freundlich – allerdings etwas empfindlicher gegen Feuchtigkeit.
– Nussbaum: Dunkel, edel und sehr stabil – perfekt für Designküchen mit Statement-Charakter.
– Esche: Hell, lebendige Maserung, modern – eine tolle Alternative zu Eiche oder Buche.



Einzigartige Optik:
Jede Massivholzplatte ist ein Unikat. Bei uns in der Schreinermanufaktur können Kunden Ihr Holz auswählen. Die Maserung, die Farbe und die Struktur machen jede Platte zu einem Einzelstück mit Charakter.
Nachhaltigkeit:
Holz ist ein nachwachsender Rohstoff. Wir setzen auf zertifiziertes Holz aus verantwortungsvoller Forstwirtschaft und damit auf umweltfreundliches und nachhaltiges Material.
Langlebigkeit:
Richtig gepflegt, hält eine Massivholzarbeitsplatte jahrzehntelang. Kratzer oder Flecken? Kein Problem: Holz lässt sich abschleifen und sieht danach wieder aus wie neu.
Gerade helle Platten werden mit der Zeit etwas dunkler… – das sieht schön aus, aber es kann überraschen, wenn man das nicht erwartet.
Fazit: Ich würde es wieder tun – zu 100 %
Unsere Massivholzarbeitsplatte ist mehr als nur ein funktionales Element in der Küche. Sie ist ein echter Hingucker und verleiht dem ganzen Raum Wärme, Stil und Persönlichkeit. Auch nach 10 Jahren zieht sie die Blicke unserer Gäste auf sich. Sie passt einfach zu unserem Leben: Naturverbunden, geerdet, mal chaotisch, mal ordentlich, immer im Fluss.Wer sich für Holz entscheidet, wählt ein Material mit Geschichte, Natürlichkeit und Zukunft. Wenn du darüber nachdenkst, dir eine Holzplatte in die Küche zu holen, mein Rat: Trau dich! Es ist ein bisschen mehr Aufwand als bei anderen Materialien, aber es lohnt sich. Wirklich.

2 Kommentare
Hallo nach Langnau
Mir gefallen solche Arbeitsplatten sehr. Eine Frage, die auch in diesem Artikel nicht beantwortet wird ist: wie sieht es aus mit auswallen von Teig, mit ausstechen von Guetzli? Wo macht ihr das?
Liebe Helena
Danke für dein Interesse und deine Nachfrage. Bei uns wird gerne und oft gebacken. Guezliteige wallen wir direkt auf der Arbeitsplatte aus und das Ausstechen ist kein Problem. Auch Brot- und Zopfteige kneten wir auf der Eichenplatte. Die Abstellfläche lässt sich anschliessend mit einem feuchten Baumwolltuch wieder gut reinigen.
Liebe Grüsse Tobias